Sven Druehl: Strategien gegen Architekturen (LEVY Galerie)


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Strategien gegen Architekturen
17. Januar – 14. März 2012

Die scherenschnitt-scharfen Konturen einer dunklen, technoiden Konstruktion versperren die Sicht auf strudelnde Blautöne, die als dickflüssige Turbulenzen hinter den Gerüsten verfließen. In einem anderen Gemälde sind es die filigranen schwarzen Verstrebungen verflochtener Äste, die zusammen mit den strengen Linien parallel verlaufender Leitungskabel den Blick in die Wolken überlagern.

Der Berliner Künstler und Autor Sven Drühl (*1968, in Nassau an der Lahn) hat im ersten Fall eine Industrieaufnahme des bedeutenden Protagonisten neusachlicher Fotografie Albert Renger-Patzsch von 1950 adaptiert. Im zweiten Fall basiert seine malerische Transposition auf Eclipse II, einer 1999 entstandenen Landschaftsaufnahme des zeitgenössischen Fotokünstlers Wolfgang Tillmans. Beide Szenarien, konstruierte Industrie- und organische Naturstruktur, gehören zum Fundus ausgewählter Bildvorlagen, aus denen Drühl seit zehn Jahren bei der Realisierung seiner meist großformatigen Malerei schöpft. Sein visuelles „Alphabet“ setzt sich dabei aus kunsthistorischen Versatzstücken der letzten 200 Jahre zusammen. Diese reichen von den Landschaften eines Caspar David Friedrichs und anderer Künstler des 19. Jahrhunderts, Architekturentwürfen, fotografischen Ansichten und künstlerischen Darstellungen moderner und nachmoderner Bauwerke von Frank Lloyd Wright bis Kenzo Tange und von Ed Ruscha über Günter Förg bis hin zu Eberhard Havekost. Dabei versteckt sich die Referenz zum Künstler als Signatur im Titel des Werks.

Die Verbindung zwischen Berglandschaften, Bäumen im Wald und modernen oder modernistischen Bauten wird erkennbar: Sie alle haben etwas Konstruktives, Zusammengesetztes. Sie bergen scharfkantige Umrisse und ineinander greifende, teils fast geometrisch anmutende Elemente. Den Landschaftsdarstellungen, die der Künstler in seiner charakteristischen Mischtechnik mit Ölfarbe, Lack und Silikon in reduzierter, von sparsamen Grün- und Gelbakzenten durchwirkten Farbpalette in Schwarz-, Weiß-, Blau- und Grautönen generiert, sind architektonische Aspekte bereits eingeschrieben. Nahtlos gehen sie in die fragmentarischen Architekturansichten über, die den zweiten Strang in Drühls Arbeiten bilden.

Im Sinne des Sampling- und Remix-Verfahrens aktueller Musikproduktionen und Computer-Images, führt der auf bereits bestehenden, teils in Publikationen, teils im Internet gefundenen Bildern basierende hybride Landschaftstypus des Künstlers nicht nur die Tatsache vor Augen, dass die Landschaft eine Fiktion ist und in der Kunstgeschichte schon mit Aufkommen der Gattung als solche verstanden wurde. Sie verweist darüber hinaus auf die besondere Problematik, die der Bildproduktion allgemein und speziell der malerischen Repräsentation heute innewohnt.

Anlässlich der Ausstellung erscheint eine Publikation im Kerber Verlag.

Starts
1/17/2012 @ 12:00
Ends
3/14/2012 @ 12:00
Location
LEVY Galerie
Osterfeldstrasse 6
Hamburg, HH

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17. Januar – 14. März 2012

Die scherenschnitt-scharfen Konturen einer dunklen, technoiden Konstruktion versperren die Sicht auf strudelnde Blautöne, die als dickflüssige Turbulenzen hinter den Gerüsten verfließen. In einem anderen Gemälde sind es die filigranen schwarzen Verstrebungen verflochtener Äste, die zusammen mit den strengen Linien parallel verlaufender Leitungskabel den Blick in die Wolken überlagern.

Der Berliner Künstler und Autor Sven Drühl (*1968, in Nassau an der Lahn) hat im ersten Fall eine Industrieaufnahme des bedeutenden Protagonisten neusachlicher Fotografie Albert Renger-Patzsch von 1950 adaptiert. Im zweiten Fall basiert seine malerische Transposition auf Eclipse II, einer 1999 entstandenen Landschaftsaufnahme des zeitgenössischen Fotokünstlers Wolfgang Tillmans. Beide Szenarien, konstruierte Industrie- und organische Naturstruktur, gehören zum Fundus ausgewählter Bildvorlagen, aus denen Drühl seit zehn Jahren bei der Realisierung seiner meist großformatigen Malerei schöpft. Sein visuelles „Alphabet“ setzt sich dabei aus kunsthistorischen Versatzstücken der letzten 200 Jahre zusammen. Diese reichen von den Landschaften eines Caspar David Friedrichs und anderer Künstler des 19. Jahrhunderts, Architekturentwürfen, fotografischen Ansichten und künstlerischen Darstellungen moderner und nachmoderner Bauwerke von Frank Lloyd Wright bis Kenzo Tange und von Ed Ruscha über Günter Förg bis hin zu Eberhard Havekost. Dabei versteckt sich die Referenz zum Künstler als Signatur im Titel des Werks.

Die Verbindung zwischen Berglandschaften, Bäumen im Wald und modernen oder modernistischen Bauten wird erkennbar: Sie alle haben etwas Konstruktives, Zusammengesetztes. Sie bergen scharfkantige Umrisse und ineinander greifende, teils fast geometrisch anmutende Elemente. Den Landschaftsdarstellungen, die der Künstler in seiner charakteristischen Mischtechnik mit Ölfarbe, Lack und Silikon in reduzierter, von sparsamen Grün- und Gelbakzenten durchwirkten Farbpalette in Schwarz-, Weiß-, Blau- und Grautönen generiert, sind architektonische Aspekte bereits eingeschrieben. Nahtlos gehen sie in die fragmentarischen Architekturansichten über, die den zweiten Strang in Drühls Arbeiten bilden.

Im Sinne des Sampling- und Remix-Verfahrens aktueller Musikproduktionen und Computer-Images, führt der auf bereits bestehenden, teils in Publikationen, teils im Internet gefundenen Bildern basierende hybride Landschaftstypus des Künstlers nicht nur die Tatsache vor Augen, dass die Landschaft eine Fiktion ist und in der Kunstgeschichte schon mit Aufkommen der Gattung als solche verstanden wurde. Sie verweist darüber hinaus auf die besondere Problematik, die der Bildproduktion allgemein und speziell der malerischen Repräsentation heute innewohnt.

Anlässlich der Ausstellung erscheint eine Publikation im Kerber Verlag.

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